PV-Pflicht bei Dachsanierung: Mieterstrom oder Allgemeinstrom – was ist wirtschaftlicher?

Wer wegen Neubau, Dachsanierung oder Aufstockung eine PV-Anlage installieren muss, steht schnell vor der entscheidenden Frage: Reicht eine kleine Lösung für den Allgemeinstrom oder lohnt sich ein Mieterstrommodell? Gerade im Mehrfamilienhaus entscheidet diese Weichenstellung über Wirtschaftlichkeit, Eigenverbrauch und Rendite. Denn während kleine Pflichtanlagen oft viel Strom günstig einspeisen, kann Mieterstrom deutlich mehr teuren Netzstrom im Haus ersetzen.

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Dach saniert, PV Pflicht – aber wie wird’s wirtschaftlich? Mieterstrom vs. Allgemeinstrom im Vergleich

Du musst wegen Neubau, Dachsanierung oder Aufstockung eine PV-Anlage installieren – je nach Bundesland ist das längst Pflicht.
Berlin
, bei Neubau und wesentlichen Dachumbauten wie Dachaufstockung/-sanierung.
NRW, bei Neubau und seit 01.01.2026 auch bei grundlegender Dacherneuerung, Hamburg seit 01.01.2024 bei Neubau und wesentlicher Dachsanierung.  

Dann stellt sich die typische Praxisfrage: Machst Du es „minimalistisch“ nur für den Allgemeinstrom (Treppenhaus, Keller, Aufzug) – oder nutzt Du das Dach so, dass die Anlage sich wirklich trägt?

Spoiler: Mieterstrom (bzw. die neue gemeinschaftliche Gebäudeversorgung) ist in den meisten Fällen die wirtschaftlichste Alternative, weil Du den teuren Netzstrom im Haus ersetzt – statt günstige Einspeisevergütung mitzunehmen.

PV nur für den Allgemeinstrom – klingt einfach, ist aber oft teuer erkauft

Der Charme: wenig Abstimmung mit Mietern, wenige Zähler/Prozesse, überschaubare Anlage.

Der Haken: Der Allgemeinstrom-Verbrauch ist in vielen Mehrfamilienhäusern zu klein und zu „spitz“, um eine PV-Anlage gut auszulasten. Du landest schnell in einem Szenario:

  • viel Überschuss am Tag → geht ins Netz
  • wenig Eigenverbrauch im Haus → kaum „Netzstrom wird ersetzt“
  • Einnahmen entstehen dann vor allem über Einspeisevergütung (Stand seit 1. Februar 2026 für Teileinspeisung bis 10 kWp z. B. im Bereich 7,78 ct/kWh genannt)  


Das Problem: Einspeisen ist die niedrigste Erlösstufe. Die richtig guten Euro liegen dort, wo Du Netzbezug vermeidest (also Strom im Haus verbrauchst).

Warum „so klein wie möglich“ pro kWp oft unwirtschaftlicher wird:

Viele PV-Pflicht-Projekte werden mit dem Ziel geplant: „Hauptsache Pflicht erfüllt, Anlage so klein wie möglich.“ Genau das ist der klassische Wirtschaftlichkeits-Killer – denn ein großer Teil der Kosten ist fix (Planung, Gerüst/Logistik, Netzanschluss-Prozesse, Messkonzept, Betrieb/Abrechnung – je nach Modell).

Heißt praktisch:

  • Je kleiner die Anlage, desto weniger kWp verteilen diese Fixkosten → €/kWp steigen
  • Gleichzeitig sinkt die Chance, Eigenverbrauch sinnvoll zu skalieren → Du rutschst Richtung Einspeise-Modell
  • Ergebnis: pro kWp wird das Projekt schlechter, obwohl Du eigentlich „sparen“ wolltest


Kurz: Minimalanlage erfüllt die Pflicht – aber sie verschenkt Rendite.

Option 2 (die Rendite-Option): Mieterstrom & neue Gebäudeversorgung – PV wird vom Pflichtprojekt zum Ertragsprojekt

Eine IW-Auswertung im Ariadne-Kontext beziffert das technisch nutzbare Potenzial auf bis zu 20,4 Mio. Wohnungen in rund 3 Mio. Mehrfamilienhäusern; bei voller Ausschöpfung wären ~60 GW PV-Leistung möglich.  

Und trotzdem gibt es laut Berichten bislang nur rund 5.400 registrierte Mieterstromanlagen – der Markt ist also weit weg von „ausgereizt“.  

Wenn Du ohnehin eine PV-Anlage installieren musst, ist Mieterstrom der Hebel, um aus der Pflicht eine echte Wirtschaftlichkeitschance zu machen: Statt dass der Solarstrom überwiegend für eine geringe Allgemeinstromlast produziert und anschließend günstig ins Netz abgegeben wird, verbrauchst Du deutlich mehr Strom direkt im Gebäude – genau dort, wo er den höchsten Wert hat.

Der Kernvorteil: Jede Kilowattstunde, die im Haus bleibt, ersetzt teuren Netzstrom der Mieter. Das macht den Unterschied zwischen „PV als formale Pflicht“ und „PV als tragfähiges Ertragsmodell“. Gerade in Mehrfamilienhäusern ist der Verbrauch tagsüber durch viele parallele Lasten (Homeoffice, Warmwasser, Haushaltsgeräte) oft deutlich höher als der reine Allgemeinstrom – und genau dieses Potenzial hebst Du mit Mieterstrom.

Wichtig dabei: Mieterstrom funktioniert wirtschaftlich am besten, wenn die Anlage nicht künstlich klein geplant wird. Denn wer die PV „gerade so“ dimensioniert, zahlt Fixkosten (Planung, Netzanschlussprozesse, Messkonzept, Betrieb/Abrechnung) auf zu wenige kWp – und macht das Projekt pro installiertem kWp teurer, statt günstiger.
Mieterstrom dreht diese Logik: Mehr nutzbarer Eigenverbrauch im Haus verbessert die Erlösseite und stabilisiert die Kalkulation.

Fazit: Wenn PV Pflicht ist, sollte Rendite kein Zufall sein

Wenn Du wegen Dachsanierung / Neubau / Aufstockung ohnehin bauen musst, gibt es zwei Wege:

  • Pflicht erfüllen mit einer kleinen Allgemeinstrom-Anlage → oft hohe €/kWp, viel Einspeisung, verschenkte Erlöse
  • Pflicht als Chance nutzen → Mieterstrom oder GGV + intelligentes Mess-/Energiemanagement, optional Speicher, Wärmepumpe, Wallboxen → mehr Eigenverbrauch, bessere Kalkulation, besserer Klimabeitrag


Unsere Empfehlung aus der Praxis: Plane nicht „so klein wie möglich“, sondern so passend wie nötig, damit der Eigenverbrauch im Haus steigt – denn dort entsteht die Wirtschaftlichkeit.

Wenn Du gerade vor einer PV-Pflichtmaßnahme stehst, lohnt sich ein kurzer Realitätscheck: Welche Anlagengröße, welches Modell (Mieterstrom oder GGV) und welches Mess-/Abrechnungskonzept bringt in Deinem Haus die beste Rendite – ohne Dir später operativen Aufwand einzuhandeln?

Genau diese Vorprüfung (inkl. Wirtschaftlichkeitsvergleich und Umsetzungsfahrplan) machen wir bei Kalipe Immo regelmäßig – damit aus „Pflicht“ ein belastbares Energieprojekt wird.

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